Taxis, Restaurants und kostenloses Essen

Die Leistungsschutzrecht-Metapher von Mario Sixtus aka Elektrischer Reporter ist derzeit in aller Munde. Sixtus sagt: „Mit der gleichen Logik könnte ein Restaurantbesitzer von Taxifahrern Geld verlangen, die ihm Gäste bringen.“ Eine gute Metapher! Presseverlage wollen Geld dafür, dass Google oder Bing oder jede andere Suchmaschine auf ihre Angebote verweisen. Absurd, oder? Man (Presseverlage) verlangt eine Maut für eine Infrastruktur, die man nicht selbst geschaffen hat.

Man muss die Sixtus’sche Metapher  nur um einen Nachsatz erweitern, um das ganze Trauerspiel ad absurdum zu führen: …, die kostenlos dinieren!

Mit der gleichen Logik könnte ein Restaurantbesitzer von Taxifahrern Geld verlangen, die ihm Gäste bringen, die kostenlos dinieren.

Ein Großteil der Presseverlage stellt sein Angebot kostenlos ins Netz. Suchmaschinen wie Google, Bing und Aggregatoren wie Rivva leiten uns mittels kleinen Ausschnitten zum eigentlichen (kostenlosen) Angebot. Kostenlos, das ist hier das Stichwort. Und jetzt will der Verlag Geld von einem Unternehmen, das ihnen Traffic, also Leser beschert? Hey, ich habe gekocht, kommt alle vorbei zum Essen, ihr müsst nichts bezahlen, aber euren Fahrer, den kassiere ich ab.

Apropos essen, man kann gar nicht so viel fressen wie man kotzen sollte. Liebe Verleger, anstatt staatlich organisierte Einnahmen zu verlangen, solltet ihr anfangen, ein anständiges Geschäftsmodell zu entwickeln und dieses monetarisieren.

Zu dem ganzen Thema passt auch mein Blogpost aus dem Jahr 2010.

3 Kommentare

  1. Wenn man weiss, wie Zeitungsverlage die letzten 15 Jahre zunächst durch ignorieren des Internets, dann mit kläglichen Nachahmprojekten versuchten sich im Netz zu etablieren und erst über Monetarisierung nachdachten nachdem sie jahrelang die kostenlos-Mentalität unterstützt haben, versteht die jetzigen Subventionsbedürfnisse der Verleger.
    Es ist immer einfach mangels eigener Ideen und Strategien zu versuchen andere (Geld-)quellen anzuzapfen. Peinlich ist, dass dies von einer Politik gestützt wird, die sich zur freien Marktwirtschaft bekennt.

    Es ist schon seltsam, wie sich grade die Tageszeitungen auf althergebrachten Geschäftsmodellen ausruhten und zusahen wie Quereinsteiger mit einfachen Mitteln das Kerngeschäft abgruben. Stellenanzeigen, KFZ-Markt und Kleinanzeigen wurden nicht von Verlegern online gebracht sondern von Leuten die darin Online einen Markt sahen oder das Bedürfnis erkannt haben. Während diese Angebote Zuwachsraten verzeichneten und sich ganze Anzeigebereiche von Print nach Online verlagerten, versuchten die Zeitungsmacher mit Stellenumbau, Redaktionszusammenlegungen, Abbau von Regionalität und Ausbreitung von Mantelproduktionen dem Rückgang entgegen zu wirken. Konsequenz, das eigene Produkt wurde schlechter und beschleunigte den Niedergang ohne einen Plan B zu haben.
    Betrachtet man die verlegerischen Aktivitäten der letzten 15 Jahre im Netz so finden sich klägliche Versuche ohne Konzept und/oder Millionengräber wie Kalydo, Online-Spinoffs ohne wirkliches Geschäftsmodell und Megaprojekte deren Refinanzierung fraglich war und ist… wirkliche Innovationen: Fehlanzeige, tragbare Geschäftsmodelle: heisse Luft. 1995 haben wir im Rahmen eines Projektes bei einem großen Verlagshaus gewagt zu sagen, dass der KFZ-Markt in 5 Jahren sich fast nur noch im Internet abspielen würde. Antwort der Entscheider: der KFZ-Markt ist ein regionales Geschäft und die Tageszeitung wird immer das Medium 1 sein. Und heute?
    Mit dem Beispiel kann man jede Einnahmequelle der TZ-Verlage fortführend betrachten, im Ergebnis zeigt sich ein ähnliches Bild. Doch nicht nur im Anzeigenmarkt auch bei den Vertriebseinnahmen zeigt sich ein desolates Bild. Zuerst glaubte mann „wir müssen mit unseren Inhalten ganz schnell online“, dann merkte man oje die Werbepreise im Online-Geschäft sind ja gar nicht kostendeckend … und man begann zu überlegen wie man ganz schnell die ach so wertvollen und bisher kostenlos zugänglichen Inhalte monetarisieren kann. Aber dabei mal zu überlegen was will der Leser? Fehlanzeige Zu überdenken wohin entwickelt sich der Markt mit den nachrichten? Fehlanzeige. Es entstand das Kombiabo, der Zeitungsbezieher durfte nun auch online lesen – wow. Leider kein Angebot für den Nicht-Papierleser, so hatte das Angebot einer großen Norddeutschen Verlagsgruppe zwar ein Leser-Onlineangebot, aber dieses gab es nicht ohne Papier… die Antwort des damaligen Vorstandes: Wir wollen unseren Lesern einen Mehrwert bieten…. Doch online gab es keine Hintergrundinfos, keine Themenergänzung sondern das Gleiche was auch gedruckt vorlag.. und immer erst NACHDEM es auf dem Papier war. Sonst bräuchte ja niemand mehr eine Zeitung. Den Entscheidern ist hier wohl entgangen, dass eine Mehrzahl bereits damals schon keine Zeitung mehr brauchte. Irgendwann merkte man Anfang 2000, dass dies nicht funktioniert und schaltete alle Inhalte frei. Nach 10 Jahren! gab es einen Relaunch und das Online-Abo und der Inhalt wurde nur noch Abonnenten zugänglich gemacht. dies wurde hatürlich als Innovation gefeiert. Also 10 Jahre publizierte man munter kostenlos und glaubt nun, dass der Interessierte Besucher etwas dafür bezahlt? Warum? Wenn ich 10 Jahre lang jeden Tag an ner Pommesbude einmal Rot-Weiss umsonst bekomme, dann dürfte es für den Betreiber recht schwierig sein das Angebot von heute auf Morgen kostenpflichtig zu machen. Nur weil er seine Pommesbude renoviert hat, ist dies ein schwaches Argument – die Ware ist die Gleiche.
    Und parallel kommen findige Geister auf die Idee, dass es einen hohen Nutzwert und auch einen Bedarf für Newsdienste sowie gebündelte Nachrichtenplattformen am Markt gibt … wehe wer nun Böses ahnt. Richtig, die die diesen Markt erkannt haben waren keine Verleger…
    Und diese Beispiele lassen ohne Ende sich fortführen und ob die Protagonisten I., W., S., D. oder oder heissen, ist völlig egal – die Fehleinschätzungen und Säumnisse sind alle die Gleichen. Im Ergebnis haben sich die Verlage die Wurst vom Brot nehmen lassen, haben zugeschaut und behaupten nun das sei Diebstahl gewesen. Nein, war es nicht, andere waren nur findiger.
    Ein Verleger hat einmal in einer Redaktionskonferenz etwas Entscheidendes gesagt: „Wir schreiben für den Leser – wenn wir den Leser nicht erreichen haben wir unseren Job nicht verstanden“ Schade, dass Verleger verlernt haben, dem Leser zu erreichen.

  2. Die Metapher ist noch an einer anderen Stelle unakurat.

    Der Taxi farer (Suchmaschine) verlangt auch kein Geld um die Fahrgäste zum Restaurant zu bringen, sondern hat, wenn überhaupt Plakate und Flyer in seinem Taxi. Das Restaurant verlangt auch kein Geld, sondern hat auch Plakate und Flyer im Speiseraum.

    Jetzt sehe ich aber nicht ein warum der Taxifahrer dem Restaurant etwas von seinen Werbeeinnahmen abgeben sollte, beide haben ja die selbe Gelegenheit, dem Kunden die Werbung zu zeigen.

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